Comment: Moderne Sklaverei – Handlungsbedarf für deutsche Unternehmen

Moderne Sklaverei betrifft mehr als 45 Millionen Menschen in 167 Ländern und ist damit auch in den verzweigten globalen Lieferketten deutscher Unternehmen präsent. Angesichts steigender rechtlicher und zivilgesellschaftlicher Anforderungen ist es Zeit, menschenrechtliche Sorgfalt und verantwortliche Beschaffung zusammen zu denken und auf ein neues Niveau zu heben.

Am 7. November 2016 gaben twentyfifty ltd. und International Justice Mission (IJM) Deutschland e.V. bei einem exklusiven Briefing in Berlin ihren Kunden und Partnern einen Überblick über aktuelle Entwicklungen zum Thema moderne Sklaverei.

Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland, betonte, dass Sklaverei sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industrieländern verbreitet ist. Sie kommt vor allem in der Vorproduktion und dort vor, wo einfache Arbeit benötigt wird – wie beispielsweise in Feldarbeit und Fischerei, Bergbau, Produktionsstätten (Textil, Elektronik etc.) sowie der Bauindustrie. Aufgrund fehlenden Zugangs zu funktionierenden Rechtssystemen sind die Ärmsten am stärksten betroffen. Ein nicht funktionierendes Rechtssystem schade aber ebenso den Unternehmen. Denn Korruption, ein hohes Gewaltniveau und andere Folgeerscheinungen beeinträchtigen auch ihre Investitionen. Es lohne sich daher, als Unternehmen in die Förderung der Rechtsstaatlichkeit in Produktionsländern zu investieren.

Luke Wilde, CEO von twentyfifty, gab einen Einblick in den britischen Modern Slavery Act 2015 und bezeichnete dessen Auswirkungen als weitreichender als von einer reinen Transparenzverpflichtung zu erwarten war. Zum einen nehmen Unternehmen diese Compliance-Anforderung sehr ernst und nutzen sie als Vorlage zur Überprüfung ihrer eigenen Managementsysteme; zum anderen stellen zivilgesellschaftliche Organisationen hohe Erwartungen an Unternehmen. Sie haben bereits damit begonnen, erschienene Unternehmenserklärungen zu bewerten. Auch die Erwartungen institutioneller Investoren und das Bewusstsein von Medien und Konsumenten seien gestiegen.

Für deutsche Unternehmen, die das Thema Sklaverei in ihren Lieferketten angehen möchten, zeigte Herr Wilde einige Ansatzpunkte auf. Eine sinnvolle Priorisierung der Risiken sei angesichts begrenzter Ressourcen und komplexer Lieferketten wichtig, aber auch die Bewusstseinsbildung im Unternehmen und bei Zulieferern, sowie die Einbindung von NGOs und anderen Stakeholdern in den Analyse- und Umsetzungsprozess. Es zahle sich langfristig aus, in die Stärkung der Arbeitnehmermitbestimmung in Fabriken vor Ort zu investieren.

Die Vortragenden gaben den anwesenden Unternehmen folgende Kernbotschaften auf den Weg:

  • Das Thema moderne Sklaverei gewinnt überall an Dynamik, auch in Deutschland, wie die neue Kampagne #unfrei von IJM zeigt
  • Viele deutsche Unternehmen sind direkt oder indirekt vom UK Modern Slavery Act betroffen, ohne sich dessen bisher bewusst zu sein. Außerdem sollten sie damit rechnen, in Zukunft mit ähnlichen Gesetzen in anderen Ländern konfrontiert zu werden. Sie sollten das Thema daher proaktiv angehen und vor allem die Führungsebene für das Thema zu sensibilisieren
  • Deutsche Unternehmen können viel von britischen Unternehmen lernen, die diesen Prozess jetzt durchlaufen
  • Unternehmen, die das Thema heute bereits aktiv angehen, können sich positiv abheben und Mehrwert schaffen, besonders, wenn sie in der Umsetzung auf Dialog und Austausch setzen.
  • Ein Investment in die Förderung rechtsstaatlicher Strukturen in Produktionsländern lohnt sich für Unternehmen.

Weitere Informationen zum Event: Detaillierte Briefing Note

Für mehr Informationen, wie wir Sie beim Thema verantwortliche Beschaffung und moderne Sklaverei unterstützen können, kontaktieren Sie bitte Carolin Seeger.